EU-Benchmark 2010 der E-Government-Basisdienste

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EU-Benchmark der Basisdienste im E-Government

Die Management- und Informationstechnologie-Beratung Capgemini führte im Auftrag der Europäischen Kommission einen Benchmark der Basisdienste im E-Government durch: Die bereits neunte Erhebung der "Online Verfügbarkeit der Dienstleistungen der öffentlichen Hand" bestätigt erneut die Vorreiterrolle Österreichs in Europa.

Österreich ist seit 2006 an der Spitze der EU-Länder und erreicht 100 Prozent beim Indikator "full online availability" (Verfügbarkeit) sowie "service sophistication" (Online-Reifegrad).

Im Rahmen der E-Government-Ministerkonferenz in Brüssel veröffentlichte EU-Kommissarin Neelie Kroes am 15. Dezember 2010 dieses - für Österreich hervorragende - Ergebnis:

2010 erreichen Österreich, Italien, Malta, Portugal und Schweden beim Indikator Verfügbarkeit 100 Prozent. Der Durchschnitt der erhobenen Staaten liegt bei 82 Prozent - nach 69 Prozent im Jahr 2009.

Ländervergleich beim Indikator "Verfügbarkeit" (Abbildung zum Absatz zuvor)

Ländervergleich beim Indikator "Verfügbarkeit"

Beim Indikator Online-Reifegrad konnte Österreich erstmals 100 Prozent erreichen. Der Durchschnitt der EU-Staaten beträgt 89 Prozent - nach 82 Prozent im Vorjahr. Spitzenreiter im Ländervergleich sind Österreich, Malta und Irland mit 100 Prozent, gefolgt von Portugal, Schweden, Deutschland und Italien.

Die Studie wurde in 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Kroatien, Türkei, Island, Norwegen und der Schweiz im Auftrag der Europäischen Kommission von Capgemini durchgeführt. Seit 2002 konnte sich Österreich kontinuierlich steigern und von Platz 11 auf Platz 1 vorarbeiten und diesen seit 2006 auch verteidigen.

Durch eine intensive gemeinsame Arbeit von Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und der Wirtschaft, vereint in der Plattform "Digitales Österreich" im Bundeskanzleramt, konnte dieses Spitzenergebnis erreicht werden. Für den Wirtschaftsstandort Österreich sind E-Government-Dienste unumgänglich.

Neuerungen im Benchmark 2010

Die europäische E-Government-Erhebung 2010 umfasst auch neue Erhebungskategorien, die den Benchmark zu einem Messinstrument der Prioritätsfelder im E-Government bis 2015 machen. Aus diesem Grund wurde die Erhebung in diesem Jahr um drei Indikatoren ergänzt:

  • eine Geschäftssituation für Unternehmen ("Starting up a company")
  • eine Lebenssituation von Bürgern ("Finding a job") sowie
  • die Verfügbarkeit von Querschnittsanwendungen ("Back office enablers").

Die Erhebung ergab, dass bei der Geschäftssituation "Starting up a company" nur Österreich, Dänemark, Estland, Irland, Norwegen, Schweden und Großbritannien die erforderlichen Schritte ohne Wechsel auf andere Portale oder Zuhilfenahme von Papier erfüllen.

HELP.gv.at ist seit 1997 das lebenslagenorientierte Bürgerportal und Vorbild für ganz Europa. Mit dem Unternehmensserviceportal (USP), das seit Anfang 2010 vom Bundeskanzleramt in Kooperation mit dem Finanzministerium in Betrieb ist, wurde in Österreich eine zentrale Seite geschaffen, welche Informationen für Unternehmen in Zukunft noch besser bündeln und aufbereiten wird, um die Auffindbarkeit von öffentlichen Ausschreibungen und Geschäftsmöglichkeiten für Lieferanten zu erhöhen. Im Bereich der elektronischen Beschaffung liegt Österreich über dem EU-Durchschnitt.

Ein weiterer Indikator, der 2010 erstmals erhoben wurde, betrachtet die Bausteine, aus denen erfolgreiche E-Government-Verfahren hinter den Webseiten und Online-Formularen aufgebaut sind. Diese sogenannten "Back office enablers" sind Querschnittsanwendungen, die durch Standardisierung und Wiederverwendbarkeit die Basis für den effizienten Ausbau von Online-Verfahren bilden. Die österreichische Strategie, E-Government auf solche gemeinsam entwickelte Bausteine zu gründen, zeigt ihren Erfolg, indem Österreich alle im Benchmark definierten "Back office enablers" im Einsatz hat.

Die Arbeit der Plattform "Digitales Österreich" wird in der Studie der Europäischen Kommission explizit als Beispiel für effiziente E-Government-Koordination anerkannt. Der nachhaltige Erfolg im E-Government in Österreich ist damit zu begründen.

Weitere Informationen

Anlässlich der belgischen Präsidentschaftskonferenz "Lift Off Towards Open Government" wurden die "Draft High Level Results" in gedruckter Form herausgegebenen:

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Basisdienste

Im jährlichen Ranking der EU werden 20 E-Government-Basisdienste der Mitgliedstaaten in ihrer jeweiligen Transaktionsstufe miteinander verglichen. Die fünf Transaktionsstufen reichen von der reinen Information im Web, über die Möglichkeit des Ausdruckens von Formularen bis hin zum elektronischen Formular. Die vierte Transaktionsstufe ist die vollständige elektronische interaktive Abwicklung. Die fünfte Stufe "Automatisierung" ist erreicht, wenn das Verfahren automatisch ohne Benutzerinteraktion durchgeführt wird oder mit vorhandenen Daten vorausgefüllt wird.

Welche Basisdienste werden im EU-Benchmark bewertet

Analysierte Benchmark-Basisdienste
BürgerUnternehmen
EinkommenssteuerSozialbeiträge für Beschäftigte
JobsucheKörperschaftssteuer
SozialleistungenMehrwertsteuer
Persönliche DokumenteGewerbeanmeldung
KFZ-AnmeldungenStatistische Daten
BaubewilligungenZollerklärungen
Polizeiliche MeldungenUmweltbezogene Genehmigungen
Öffentliche BibliothekenÖffentliche Beschaffung
Geburts- / Heiratsurkunden
Hochschulanmeldungen
Umzugsmeldungen
Gesundheitsbezogene Dienste

Vorgehensweise bei der Messung/Untersuchungsmethode

Um den Grad der Online-Ausprägung der 20 Dienstleistungen zu messen, wurde das folgende Fünf-Stufen-Modell entwickelt:

  • Stufe 1 - Information: Die erforderlichen Informationen, um ein Verfahren zu starten und den auf der Website angebotenen Service zu erhalten, sind online erhältlich.
  • Stufe 2 - Einseitige Interaktion: Die öffentlich zugängliche Website bietet die Möglichkeit, Formulare herunterzuladen, um das Verfahren zur Inanspruchnahme des Dienstes zu starten. Das beinhaltet die Möglichkeit, online die notwendigen Formulare in Papierform zu bestellen.
  • Stufe 3 - Zweiseitige Interaktion: Die öffentlich zugängliche Website bietet die Möglichkeit einer elektronischen Eingabe in ein offizielles elektronisches Formular, um das Verfahren zu beginnen und den Dienst in Anspruch zu nehmen. Dies impliziert, dass es eine Form von Authentifizierung der antragstellenden Person (natürlich oder juristisch) geben muss, um Stufe 3 zu erreichen.
  • Stufe 4 - Transaktion: Die öffentlich zugängliche Website bietet die Möglichkeit, den gesamten Vorgang elektronisch abzuwickeln, einschließlich Bescheid und Zustellung. Der Kunde muss keine zusätzlichen Formulare in Papierform einreichen.
  • Stufe 5 – Automatisierung: Das Verfahren wird automatisch ohne Zutun der Benutzenden durchgeführt oder mit vorhanden Daten vorausgefüllt.

Untersuchungsablauf

Die Untersuchung wird in 3 Phasen vollzogen:

  1. Vorbereitung und Input (Festlegung der Zuständigkeiten beziehungsweise Dienstleister)
  2. Inhaltsanalyse und Bewertung mittels eigener Webanwendung (Analyse der Website)
  3. Output: Berechnung der Endergebnisse und Endbericht

Weiterführende Informationen zu den Studien