Barrierefreiheit für öffentliche Internetauftritte

Ergebnisse der Erhebung Barrierefreiheit 2007 - Zusammenfassung des Endberichtes

  1. Einleitung
  2. Rahmenbedingungen der Erhebung
  3. Auswertung
  4. Handlungsbedarf und Aktivitätsschwerpunkte
  5. Nächste Schritte
  6. Endbericht zum Download

Einleitung

Das Gremium IKT-Bund setzt zur Optimierung der Barrierefreiheit von öffentlichen Internetauftritten verschiedene Initiativen und hat in der IKT-BUND-Sitzung vom 21. Februar 2007 den Beschluss gefasst, die Barrierefreiheit von öffentlichen Internetangeboten der Bundesverwaltung zu erheben. In der IKT-BUND-Sitzung vom 3. Juli 2007 wurden die Ergebnisse der Erhebung vom Bundeskanzleramt präsentiert.

Im Folgenden werden die Kernaussagen des Endberichtes zusammengefasst, der Endbericht steht Ihnen am Seitenende vollinhaltlich sowohl als Word-Dokument als auch als PDF zur Verfügung.

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Rahmenbedingungen der Erhebung

Ziele

  • Überblick zum Status Quo schaffen
  • Good Practice Beispiele und bestehende Schwachstellen identifizieren
  • Bewusstseinsbildung für Verwaltungsorganisationen

Nutzen

  • Planung erarbeiten
  • Wesentliche Daten im Fall eines Schlichtungsverfahrens (Zumutbarkeitsbewertung)

Zeitplan und Vorgehen

Die Erhebung wurde mit der Nominierung der Verantwortlichen durch die einzelnen Ressorts und einer Kick Off Veranstaltung Anfang März 2006 gestartet. Direkt im Anschluß begannen die Erhebungsverantwortlichen damit die WAI-Umsetzung für die Webangebote der Bundesministerien zu evaluieren, der Erhebungszeitraum dauerte bis Ende April. Bis 21. Mai wurden die eingelangten Erhebungsergebnisse durch das Bundeskanzleramt (BKA) ausgewertet und ein Rohbericht erstellt, welcher zur Qualitätssicherung an die Ressorts übermittelt wurde. Die Rückmeldungen zum Rohbericht sowie weitere Erhebungsergebnisse wurden bis Mitte Juni in den Endbericht eingearbeitet. Dieser wurde am 3. Juli 2007 den Chief Informations Officers (CIOs) der Ressorts präsentiert und zur Abstimmung übermittelt. Mit August 2007 liegt der Endbericht zur Erhebung Barrierefreiheit 2007 vor und ist öffentlich verfügbar.

Methodik der Auswertung

  • Pro Domain sollte ein Fragebogen ausgefüllt werden.
  • Pro Domain wurden Sampleseiten nach Prüfpunkten bewerten (ja, nein, nicht anwendbar).
  • Die Ergebnisse der Sampleseiten wurden in einem Erfüllungsgrad (= Prozentsatz jener Sampleseiten, bei dem Benutzerinnen und Benutzer im jeweiligen Prüfpunkt auf keine Barriere treffen) zusammengefasst.
  • Bei unvollständiger Erfüllung eines Prüfpunktes sollten Maßnahmen und ein Zeitplan für die vollständige Erfüllung angegeben werden.
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Auswertung

Eckdaten der Erhebung

  • Priorität auf die Erhebung von:
    • frei verfügbaren Webangeboten
    • gv.at-Domänen
  • 12 Rückmeldungen aus Bundesministerien
  • 68 Domänen wurden bewertet
  • 94 Prozent durchschnittlicher Erfüllungsgrad WAI A
  • 51 Prozent der evaluierten Domänen beinhalten weitere Verbesserungsmaßnahmen im Bereich WAI A
  • 47 Prozent der WAI A Kriterien wurden als nicht anwendbar eingestuft (z.B. dynamische Inhalte werden nicht eingesetzt)

Durchschnittlicher Erfüllungsgrad

Der durchschnittliche Erfüllungsgrad WAI A Kriterien aller Domains über alle Prüfpunkte hinweg beträgt beachtliche 94 Prozent.

Für 57 der 68 evaluierten Domains beantworteten die Ressorts auch die Prüfpunkte zu WAI AA, der Erfüllungsgrad schwankt für die einzelnen Prüfpunkte zwischen 75 und 100 Prozent.

Für 46 der 68 evaluierten Domains beantworteten die Ressorts auch die Prüfpunkte zu WAI AAA, der Erfüllungsgrad schwankt für die einzelnen Prüfpunkte zwischen 54 und 100 Prozent.

Prüfpunkte, zu welchen häufig Verbesserungsbedarf bzw. Optimierungsmaßnahmen genannt wurden

WAI A:

  • Prüfpunkt 1.1 – Text-Äquivalente für Nicht-Text-Elemente
    • Transkripte von Videos, Vorträgen, Stellungnahmen
    • Hinterlegung des Artikeltextes als unsichtbare Textebene
    • Nacharbeiten der bereits gesetzten Bilder, Foto
    • Fehlende Text-Äquivalente in Templates ergänzen
  • Prüfpunkt 4.1 – Änderungen der Sprache
    • Sprachwechselauszeichnungen in Seitentitel nicht aktivieren, redaktionell korrigieren
    • Auszeichnungen bei sprachlich gemischten Seiten und längerer Textpassagen (Entwurf WCAG 2.0)
  • Prüfpunkt 5.1. – Zeilen- und Spaltenüberschriften bei Datentabellen
    • Datentabellenüberschriften kennzeichnen
    • Eliminieren der Tabellen für Layout
    • Contentmanagementsystem ändern bzw. anpassen

WAI AA:

  • Prüfpunkt 3.2 – konforme Dokumente (z.B. Dokumententypen-Deklarationen)
    • Templates betroffener Seiten überarbeiten
    • HTML-Validatoren einsetzen
  • Prüfpunkt 3.4 – Relative Einheiten bei Attributwerten
    • Fixe beziehungsweise absolute Feldbreiten ersetzen
    • Templates und CSS anpassen
    • Spannungsverhältnis Styleguide – relative Angaben auflösen, Einsatz neuer Designvorlagen
    • bei Relaunch berücksichtigen
  • Prüfpunkt 12.2 – Frames: Zweck, Beziehung
    • Templates und CSS anpassen
    • bei Relaunch bzw. Neugestaltung berücksichtigen

WAI AAA:

  • Prüfpunkt 9.5 – Tastatur-Kurzbefehle (Shortcuts)
    • Formularfelder berücksichtigen
    • Tasten-Kurzbefehle nach erfassen
  • Prüfpunkt 11.3 – Informationen (Sprache, Typ) in welcher Form Dokumente verfügbar sind
  • Prüfpunkt 5.5 – Zusammenfassung von Tabellen
    • Umstellung auf tabellenloses Design, verbleibende Datentabellen zusammenfassen
    • Summary Attribut bei Datentabellen einführen
    • Content Management System ändern bzw. anpassen
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Handlungsbedarf und Aktivitätsschwerpunkte

Die Erhebungsergebnisse liefern ein klares Bild des bestehenden Handlungsbedarfs, um ein Optimum an Zugänglichkeit für öffentliche Internetauftritte zu erreichen:

Priorität WAI A

Um die Zugänglichkeit gemäß Priorität WAI A zu erfüllen, müssen vor allem Text-Äquivalente für Nicht-Text-Elemente ergänzt werden, wo diese noch fehlen. Die Auszeichnung der natürlichen Sprache sollte jedenfalls für längere Textpassagen in allen Webangeboten durchgeführt werden. Optimierungsbedarf besteht teilweise auch bei verwendeten Datentabellen, Zeilen- und Spaltenüberschriften müssen eingearbeitet werden und in komplexen Datentabellen mit mehreren logischen Ebenen müssen Markups verwendet werden, um Datenzellen und Überschriftszellen zuzuordnen. Falls Frames eingesetzt werden, müssen diese betitelt werden um die Navigation zu erleichtern.

Priorität WAI AA

Nachholbedarf besteht vor allem bei Attributwerten der Markup-Sprache und Stylesheet-Property-Werten, hier sollten anstelle von absoluten Einheiten relative Angaben verwendet werden. Ebenso wichtig wäre es, technische Standards zu berücksichtigen und Webangebote valide zu gestalten. Um die Dokumentenstruktur darzustellen sind Überschriften-Elemente spezifikationskonform einzusetzen. Wenn W3C-Technologien verfügbar sind und mit vertretbarem Aufwand angewendet werden können, so sollte dies erfolgen. Eine Verbesserung stellt auch die Angabe vom Zweck eingesetzter Frames und ihrer Beziehung untereinander dar, ebenso wie die explizite Zuordnung von Beschriftungen der Kontrolleelemente von Formularen.

Priorität WAI AAA

Um die Kriterien der Priorität WAI AAA besser zu erfüllen, wären vor allem verwendete Abkürzungen und Akronyme auszuschreiben oder in einem Glossar zusammen zu fassen. Auch umfassende Tabellen sollten mit einer inhaltlichen Zusammenfassung leichter zugänglich gemacht werden. Wenn Webangebote eine logische Tab-Reihefolge für Links, Formulare und Objekte anbieten, bedeutet das eine enorme Vereinfachung der Navigation für unterschiedliche Zielgruppen behinderter Menschen, daher sollte auch in diesem Bereich an einer signifikanten Verbesserung gearbeitet werden. Diese Optimierung könnte noch durch Einarbeiten von Tastatur-Kurzbefehlen für wichtige Links ergänzt werden. Technisch noch nicht umgesetzt ist die Informationsbereitstellung, so dass Benutzer Dokumente nach ihren Vorgaben – wie Sprache, Typ, ... – erhalten können.

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Nächste Schritte

Diese in der Erhebung identifizierten Aktivitätsschwerpunkte sind für die abzudeckenden Handlungsfelder - Barrierefreiheit für künftige Software bzw. Anwendungen sowie Verbesserungen bei bestehenden Lösungen - sicherzustellen. Weiters ist eine differenzierte Betrachtung von web-basierter Software bzw. Anwendungen und nicht web-basierter Software bzw. Anwendungen erforderlich, wobei barrierefreie Hardware nicht zur Gänze außer Acht gelassen werden darf.

Aktivitätsschwerpunkte:

In folgenden Bereichen werden als Folge der Erhebung Barrierefreiheit 2007 Aktivitäten gesetzt:

- Selbstevaluation durch Benutzende oder externe Fachleute überprüfen lassen
- Schulungsmaßnahmen zur barrierefreien Gestaltung von Webangeboten an der Verwaltungsakademie des Bundes anbieten
- Technischer Kriterienkatalog mit Mindestanforderungen für AVB-IT
- Überarbeitung der AVB-IT

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Endbericht zum Download

Erhebung Barrierefreiheit 2007, Endbericht - Version 1.3 (DOC 464 kB)

Erhebung Barrierefreiheit 2007, Endbericht - Version 1.3 (PDF 260 kB)