EU-Benchmark 2012

Am 28. Mai 2013 wurde der E-Government Benchmark in Brüssel präsentiert. Im Gegensatz zu den bisherigen Benchmarkings gibt es jetzt keine europäische Gesamtreihung mehr. Die Studie liefert nun hingegen Details zu zahlreichen Aspekten elektronischer Verwaltungsdienste.

Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Österreich zählt bei Verfügbarkeit und Userfreundlichkeit der untersuchten E-Government-Lebenslagen zu den am besten aufgestellten Ländern Europas.
  • Gleichzeitig bescheinigt die Studie, dass Österreich mit geringen Investitionskosten ein hohes Niveau erreicht hat.
  • In der Lebenslage "grenzüberschreitende Unternehmensgründung" liegt Österreich weit über dem EU-Schnitt, Nachholbedarf besteht bei "grenzüberschreitendem Studieren".
  • Beim Kriterium "Transparenz" ist Österreich deutlich über dem europäischen Durchschnitt platziert.
  • Die Einbeziehung der sogenannten Schlüsseltechnologien (zum Beispiel Integration der Handy-Signatur und Bürgerkarte) ist in Österreich weit fortgeschritten.
  • Die Erwartungshaltung der User an elektronische Dienste ist in den letzten Jahren gestiegen.
  • Der öffentliche Bereich hat EU-weit Aufholbedarf gegenüber dem Privatsektor.
  • Für die Befragten der insgesamt 32 Teilnehmerländer gehören Zeitersparnis, Flexibilität und Kostenersparnis zu den wichtigsten Vorteilen der E-Government-Dienste.
  • Künftig wird es darum gehen, mit verstärkter Information und zusätzlichen Anreizen weitere E-Government-User zu gewinnen.

Capgemini führte im Auftrag der Europäischen Kommission den insgesamt 10. Benchmark für E-Government durch. Die bisherigen Benchmark-Kriterien (Österreich belegte seit dem Jahr 2006 den ersten Rang) wurden komplett überarbeitet und mit einem neuen Studiendesign unterlegt. Nach mehrfacher Betrachtung von 20 E-Government-Basisdiensten wurde die Aufmerksamkeit vermehrt auf die User selbst gelegt. Eine Umfrage unter 28.000 europäischen Internet-User, eine Betrachtung von 3 Lebenslagen und 5 zentralen Schlüsseltechnologien durch 2 Mystery Shopper pro Mitgliedstaat lieferte die Informationen.

Methodik des E-Government Benchmark 2012

Der EU E-Government Benchmark 2012 gliedert sich methodisch in 2 Bereiche:

  • in einer User-Umfrage wurden in Österreich 1.000 User zu ihren Erfahrungen im E-Government befragt
  • in jedem Mitgliedstaat wurden 2 Mystery Shopper beauftragt, sich in 3 Lebenslagen zu versetzen und in diesen E-Government-Dienste zu testen. Die Lebenslagen waren:
    • Verlust eines Jobs inklusive Jobsuche,
    • Studieren und
    • Unternehmensgründung

Beim Benchmark im Jahr 2014 werden diese Lebenslagen erneut getestet.

Reifegrad der untersuchten Dienste

Der Reifegrad der untersuchten Dienste wird durch die Indikatoren Online-Verfügbarkeit und Online-Benutzbarkeit gemessen. Bei beiden Indikatoren liegt Österreich weit über dem EU Durchschnitt. Beim Indikator Online-Verfügbarkeit erreicht Österreich 85 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt von 74 Prozent. Beim Indikator Online-Benutzbarkeit liegt Österreich bei 86 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt von 70 Prozent.

Handlungsbedarf für Österreich

Handlungsbedarf besteht bei der stärkeren Einbindung jener Internet-User, die keine "loyalen" E-Government-User sind oder jener, die zwar Interesse am elektronischen Amtsweg haben, diesen allerdings noch herkömmlich vornehmen. Während 27 Prozent der österreichischen Internet-User angaben, das E-Government-Angebot nicht zu kennen, hatten lediglich 2 Prozent Schwierigkeiten bei der Benutzung selbst.

Die Kommission empfiehlt eine noch systematischere und zielgerichtete Bewusstseinsbildung für Online-Dienste. Zum Beispiel könnten User in anderen Kanälen an das elektronische Angebot erinnert und wo notwendig darüber informiert werden, wie das elektronische Angebot funktioniert. Diese Maßnahme könnte durch weitere Anreize, wie schnellere, flexiblere und günstigere elektronische Verfahren ergänzt werden. Zur Reduktion der Drop-Outs könnten Aktivitäten wie das Publizieren von Nutzungsdaten, das Einholen und die Auswertung von Rückmeldungen der User und die Integration der zentralen Schlüsseltechnologien beitragen. Die Kommission untersuchte die Einbindung folgender fünf Schlüsseltechnologien: elektronische Identitäten, authentische Quellen, elektronische Dokumente, Einmalanmeldung (single sign on) und elektronische Safes.

Manfred Matzka, Sektionschef im Bundeskanzleramt: "Um das hervorragende Angebot an E-Government weiter auszubauen, ist es künftig notwendig, die Nicht-User ins Boot zu holen. Im Vordergrund stehen die Fokussierung auf einzelne Zielgruppen und die Schaffung von Anreizen, wie Gebührenreduktion für den elektronischen Amtsweg. Ein Teil der Kostenvorteile, die der Verwaltung durch E-Government entstehen, sollte den Bürgerinnen und Bürgern zurückgegeben werden."

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